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Medienmitteilung

Auszeichnung für Lebensqualität in der Chrüzmatt

Zum ersten Mal wird in der Schweiz eine Altenpflegeeinrichtung für ihr besonderes Engagement für die Lebens- und Arbeitsqualität von BewohnerInnen und MitarbeiterInnen ausgezeichnet: die Chrüzmatt.

Würde und Lebensqualität sind Grundsätze, die in den Leitbildern von Alters- und Pflegeheimen in der Regel fest verankert sind. In der Chrüzmatt in Hitzkirch wird dies auch vorbildlich gelebt, dank Kinaesthetics, einer professionellen Methode, die aus der Wissenschaft der Lebenden Systeme (Kybernetik) heraus entwickelt wurde. Dieses außerordentlich Engagement für Gesundheit, menschliche Würde und Lebensqualität in der Chrüzmatt wird durch das European Institute for Human Development (IHD) am Bodensee ausgezeichnet. Der feierliche Akt zur Übergabe der Auszeichnung mit einem Festgottesdienst fand am Samstag, 21. Mai 2005, um 16.00 Uhr in Hitzkirch statt. Die Chrüzmatt mit 96 BewohnerInnen und 15 Alterswohnungen mit 18 Personen ist damit die erste Schweizer Einrichtung im Bereich Altenhilfe, die diese Auszeichnung erhält.

Würde und Lebensqualität über Bewegung
In der Chrüzmatt hatte man festgestellt, dass Würde, Wohlbefinden und Lebensqualität in den vielen kleinen Dingen des Alltages entstehen. Mobiliät und damit auch Selbstbestimmung stellt einen wichtigen Faktor für die Lebensqualität älterer Menschen dar. Da ein großer Anteil der Arbeit mit alten Menschen aus gemeinsamer körperlicher Interaktion besteht, ist es wichtig, die Bewegungs-ompetenz der MitarbeiterInnen und BewohnerInnen zu fördern, um damit die Lebensqualität und die gegenseitige würdevolle Begegnung positiv zu beeinflussen.

Daher hat die Chrüzmatt seit 1998 gemeinsam mit dem Kinaesthetics Institut Schweiz daran gearbeitet, die Bewegungskompetenz der MitarbeiterInnen gezielt weiter zu entwickeln. Alle MitarbeiterInnen – also die gesamte Organisation – waren aktiv am Kinaesthetics Lernprozess beteiligt: das Pflegepersonal, der Hausdienst, die MitarbeiterInnen in der Küche, der Verwaltung und die Leitungskräfte des Heimes. Mit der Anwendung von Kinaesthetics Konzepten haben 110 MitarbeiterInnen von Chrüzmatt gelernt, ihre eigenen Bewegungen bewusst wahr zu nehmen und haben damit ihre eigene Bewegungskompetenz erweitert. Die MitarbeiterInnen verstehen durch gemeinsame Bewegungen und dem genauen Erspüren der Reaktionen die individuellen Bewegungsmuster ihrer BewohnerInnen. Sie unterstützen sie bei ihren täglichen Aktivitäten auf eine Weise, dass die Bewegungskompetenz ausgeschöpft, erhalten oder erweitert wird. Dadurch werden BewohnerInnen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit mobiler, sie erfahren sich als wirksam und haben optimale Bedingungen, ihre Lebensqualität selbst positiv zu beeinflussen.

Das gesamte Alterswohnheim in Bewegung
Um in der ganzen Organisation Kinaesthetics Kompetenz aufzubauen, war einerseits individuelles Lernen in speziellen Lernphasen und Praxisanwendungen, andererseits ein Lernen der gesamten Organisation notwendig. Die Dynamik, die diese neue Herangehensweise ausgelöst hatte, überstieg alle Erwartungen. Das gesamte Altenwohnheim Chrüzmatt ist in Bewegung gekommen, die positiven Auswirkungen sind beachtlich:

  • Das individuelle Lernen befähigte die MitabeiterInnen, im konkreten Tun auf sich selbst zu achten und die BewohnerInnen so zu unterstützen, dass sie ihre eigenen Bewegungs- ressourcen optimal nutzen können. Das Verletzungsrisiko hat deutlich abgenommen.
  • Viele der pflegebedürftigen Menschen haben trotz Beschwerden und Einschränkungen gelernt, die alltäglichen Aktivitäten selbst mit zu gestalten. Lernen ist in dieser besonderen Lebens-lage möglich geworden.
  • Die MitarbeiterInnen haben eine eigene hohe Bewegungskompetenz aufgebaut. Diese wirkte sich nicht nur physisch aus, sondern beeinflusste auch das Denken in positiver Weise. Die Kommunikationsfähigkeit in den Teams hat sich verbessert.
  • Respektvoller Umgang mit Menschen ist nicht nur ein Schlagwort. Von den MitarbeiterInnen in der Chrüzmatt kann er ganz konkret beschrieben werden und wird dadurch gelebt.

Rahmenbedingungen sorgen für nachhaltige Wirkung
Die Organisation als ganzes System lernte, indem vor dem Beginn der Grund- und Aufbaukurse die Wirkungsziele definiert und die Inhalte / Abläufe die Kurse auf die gewünschten Wirkungen ausgerichtet wurden. Am Ende wurde untersucht, was tatsächlich erreicht werden konnte. Geeignete Rahmenbedingungen für die MitarbeiterInnen sorgten dafür, dass sich das bereits erreichte Kompetenzniveau und die Wirkung von Kinaesthetics nachhaltig und sichtbar in der Organisation weiterentwickeln konnte. Die Führungskräfte steuerten den Prozess und nahmen selbst an den Lernphasen / Kursen teil. Um die Kinaesthetics Kompetenz intern zu sichern, wurden eine TrainerIn und drei eigene Peer TutorInnen, die das Lernen im Pflegealltag unterstützen, ausgebildet und ein Reglement entwickelt, das nach den Gesichtspunkten von international etablierten Qualitätssystemen aufgebaut ist.

Dkfm. Roland Mangold www.kinaesthetics.com 21. Mai 2005


Kinaesthetics – eine neue Form, Menschen und Organisationen zu bewegen
Hinter Kinaesthetics steht ein umfassendes Bildungssystem, das in allen Bereichen des beruflichen und privaten Lebens und in jeder Lebensphase eingesetzt werden kann. Darin geht es konsequent um die eigene Bewegung, die Fähigkeit, diese wahr zu nehmen und für die eigene Entwicklung zu nutzen. Ist ein Mensch in der Lage, seine Alltagsbewegungen im Sinne von Kinaesthetics kompetent zu gestalten, kann er lebenslang von den Ressourcen seines Körpers profitieren. So können Menschen mit körperlichen Einschränkungen auch noch ins hohe Alter länger eigenständig bewältigen.

Große Bedeutung hat Kinaesthetics für die Steigerung von Effizienz, Leistung und Qualität im Sozial- und Gesundheitswesen und für die betriebliche Gesundheitsförderung. Überall dort, wo Menschen starken oder einseitigen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, kann die Nutzung von Kinaesthetics Wissen überdurchschnittliche Erfolge bringen. Derzeit nutzen über 200.000 Fachkräften in ganz Europa Kinaesthetics für die Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen, alten Menschen, Menschen mit Behinderungen, Frühgeborenen oder für die Entwicklung von Kleinkindern.

Dkfm. Roland Mangold www.kinaesthetics.com 21. Mai 2005


30 Jahre Kinaesthetics – 3 Phasen einer bewegten Geschichte
Dr. Frank Hatch und Dr. Lenny Maietta haben Anfang der 70er Jahre damit begonnen, die Erkenntnisse der Kybernetik konsequent auf die menschliche Bewegung anzuwenden und kreierten den Begriff ‚Kinaesthetics’. Heute ist Kinaesthetics ein Lern- und Bildungssystem, das von 200.000 Fachkräften in ganz Europa angewendet wird.
In Zusammenarbeit mit dem Kybernetiker K.U. Smith leitete Dr. Frank Hatch an der University of California (USA) die erste Phase der Kinaesthetics Entwicklung ein. Unter konsequenter Anwendung der Wissenschaft der lebenden Systeme (Kybernetik) begann Hatch die Art und Weise, wie sich Menschen im Alltag bewegen zu analysieren und sich die Frage zu stellen, wie sich die Bewegung auf die geistige, körperliche und soziale Entwicklung des Menschen auswirkt. Für seine Arbeiten kreierte Hatch den Begriff ‚Kinaesthetics’ – eine Kombination der beiden griechischen Wörter ‚kinesis’ (Bewegung) und ‚aesthetics’ (Wahrnehmung).

Die breite Anwendung in der Praxis

Mit dem Einstieg von Dr. Lenny Maietta, einer Kybernetik-Forscherin auf dem Gebiet Child Development, wurde 1974 die zweite Phase der Kinaesthetics Entwicklung eingeleitet: die Phase der breiten Anwendung in der Praxis. Auf Basis der von Hatch / Maietta entwickelten Kinaesthetics Konzepte haben bis 1998 im deutschsprachigen Raum über 80.000 Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialbereich ihre Bewegungskompetenz erweitert. Wirkungsanalysen zeigten, dass diese Menschen ihre eigene Lern- und Kommunikationsfähigkeit verbesserten, die eigene Gesundheit selbst effektiver regulierten und im Beruf mehr Qualität für die KlientInnen / PatientInnen erreichen konnten.

1980 wurde mit der Gründung des Kinaesthetics Vereins in der Schweiz die erste organisatorische Struktur in Europa für die Kinaesthetics Forschung und Anwendung gegründet. 1990 wurde das erste Kinaesthetics Institut in der Schweiz eröffnet. Weitere Institute in Deutschland und Österreich folgten. Die Kinaesthetics Institute bilden die TrainerInnen aus und führen in Kooperation mit ihnen Kinaesthetics Kurse durch. Gleichzeitig sind sie Anlaufstellen für Interessierte und Personen, die Projekte rund um die Kinaesthetics Forschung, Evaluierung und Anwendung durchführen wollen.

Die wissenschaftlich-methodische Weiterentwicklung
1999/2000 gründeten Hatch / Maietta das European Institute for Human Development (IHD) am Bodensee und leiteten dort die dritte Phase der Kinaesthetics Entwicklung ein. Im Zentrum steht die wissenschaftlich fundierte Arbeit zu den Fragen: Wie muss die Vermittlung von Kinaesthetics Wissen aussehen, dass Menschen und Organisationen damit optimale Wirkung erzielen können? Welchen Nutzen hat der Einsatz von Kinaesthetics Wissen für eine Sozial- und Gesundheitsorganisation bzw. ein gesamtes Sozialsystem? In welchen neuen Feldern außerhalb des Sozial- und Gesundheitsbereichs ist die Anwendung von Kinaesthetics Wissen sinnvoll und nützlich? Die Ergebnisse dieser Arbeiten fließen laufend in die Weiterentwicklung der vorhandenen Kinaesthetics Methoden und Bildungskonzepte ein und haben es möglich gemacht, dass Kinaesthetics von vielen Menschen und Organisationen zur Steigerung der Gesundheit und Lebensqualität genutzt werden kann: für Frühgeborene, Kleinkinder, ältere Menschen, pflegende Angehörige, Menschen mit Behinderungen, Büroangestellte und viele mehr.

Kinaesthetics heute
Kinaesthetics wird mittlerweile von über 200.000 Fachkräften und rund 3000 Organisationen in 8 europäischen Ländern systematisch genutzt: für die Arbeit mit pflegebedürftigen oder alten Menschen, Menschen mit Behinderungen, Frühgeborenen oder für die Entwicklung von Kleinkindern. Die Anwendungen von Kineasthetics in Zusammenhang mit der Steigerung von Effizienz, Leistung und Qualität im Sozial- und Gesundsheitswesen steigen ständig. In der betrieblichen Gesundheitsförderung werden die Kinaesthetics Konzepte derzeit als ‚Schlüssel’ für die Wirkung erkannt.

Rund 1.000 Fach- und Führungskräfte im Gesundheits- und Sozialbereich haben die berufsbegleitende Ausbildung zum / zur ‚Kinaesthetics TrainerIn’ absolviert und führen in enger Zusammenarbeit mit den Kinaesthetics Instituten die Bildungs- und Qualifizierungsarbeit in ganz Europa durch.

Ein professionelles Qualitäts- und Zertifizierungssystem stellt sicher, dass Menschen und Organisationen, die Kinaesthetics Wissen aufbauen und nutzen wollen, auch wirklich nach den neuesten Erkenntnissen geschult werden. Der Aufbau von professionellem Kinaesthetics Knowhow in großen Organisationen, in Ländern oder gesamten Sozial- und Gesundheitssystemen wird von den Kinaesthetics Instituten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz wissenschaftlich begleitet. Die Kinaesthetics Institute stehen den Fachkräften, Organisationen oder gesamten Branchen für die fachliche Information, Machbarkeitsprüfungen oder Evaluierungen zur Verfügung.

Das Kinaesthetics Knowhow und die Methodik / Didaktik zum Aufbau der Bewegungskompetenz mit Kinaesthetics wird laufend weiter entwickelt. Die interdisziplinär zusammengesetzte Kinaesthetics Forschergruppe arbeitet am European Institute for Human Development mit Sitz in Dornbirn (AT) am Bodensee (www.eihd.com).

Dkfm. Roland Mangold www.kinaesthetics.com 21. Mai 2005